Auf den Schienen
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1. „Lauf, lauf weg! Solange es noch geht.“ Diese Worte beherrschten seinen Kopf, seine Gedanken. Es waren die letzten Worte seines Vaters gewesen, bevor er vor seinen Augen zu Boden sank und seinen letzten Atemzug genoss. Nachdem sein Herz stehen geblieben war, dachte Fill auch seins würde aufhören, doch es schlug weiter, selbst jetzt noch wo er rannte, rannte wie es ihm gesagt worden war. Fill lief schon seit Minuten oder waren es Stunden? Er wusste es nicht. Er wusste nur, dass er laufen musste. So lief er und lief. Plötzlich sah er das Bild von seiner Mutter vor seinen Augen, wie sie da Stand mit ihren dunklen traurigen Augen, den großen Füßen und der schlaksigen Figur. Wie lange war es her gewesen als er sie das letzte mal gesehen hatte. Fill wusste es nicht, er wusste nur, dass man die Jahre wohl nicht mehr an einer Hand hätte abzählen könnte. Warum hatte er sie solange nicht mehr gesehen? Vielleicht lag es daran, dass sie Tod war. Fill wusste es nicht. Er war sauer, warum hatte sie ihn nie besucht, nicht mal eine Karte hatte sie ihm geschrieben. Fill merkte wie sein Hass stieg, er kochte förmlich vor Wut. Er rannte schneller ohne auch nur hinzuschauen wo er lang lief. Plötzlich kam er zur Brücke am alten Wehr. Hier hatte er mit seinen Eltern vor vielen Jahren jeden Sonntag gesessen und gepicknickt. Er kletterte über die Absperrung, schaute in den tief blauen Himmel, breitete die Arme aus. „Gleich bin ich da und wir können los zum Picknicken“, rief er und sprang. Die Dunkelheit des Wassers nahm ihn in sich auf.

 

 

 

 

 

2.Ronja grinste über das ganze Gesicht! Ihr Finger wollten was machen, ihr Beine in die Luft springen. Sie hielt sich zurück, obwohl sie fast vor Glück explodierte. Sie hatte es geschafft. Ronja hätte am liebsten laut auf geschrieen. Sie hatte es wirklich geschafft. Sie, nicht ihre Freundin mit den Modelmaßen und dem Zucker süßen lächeln, nicht die Obercoole der Klasse, nicht die Streberin, nicht die Zicke der Klasse. Nein, sie hatte es geschafft, sie die kleine etwas rundliche Ronja. Ihre Augen glänzten, sie wollte, dass dieses Gefühl von Glück und Zufriedenheit niemals Aufhören wird. Doch ein einziger Anruf genügte um ihr das ganze wieder zu nehmen. Ronjas grinsen verschwand, in die Luft springen und schreien vor Glück wollte sie auch nicht mehr. Nein, jetzt wollte sie einfach weinen so das ein Fluss draus entstand. So wie letztes Jahr als ihr Oma starb. Nur so war das Leben ihrer Oma auf einmal vorbei gewesen, genauso schnell wie ihr Glück jetzt gerade. Ein einziger Anruf, ein einziger Satz, ein einziges Wort hatte ihr Glück zerstört. Ihr Gefühl von Zufriedenheit, dass was sie so genossen hatte und es für immer halten wollte, hat ein einziger Anruf zerstört. Der Anrufer hat ihr Glück auf ewig verscheucht, hätte er es ihr nicht wann anders sagen können, dass ihr Bluttest auf Leukämie positive ausgefallen ist?! Gerade jetzt wo sie noch einmal das Gefühl zu Leben so genossen hatte? Doch konnte sie sich freuen sie würde ihr Oma wieder sehen.